Die zwölf Säle im Überblick
- Saal 1 Die Reimann-Sammlung
- Saal 2 Die Anfänge der schlichten Landschaftsmalerei
- Saal 3 Die Ältere Münchener Landschafterschule
- Saal 4 Hans von Marées
- Saal 5 Skulpturensaal
- Saal 6 Die deutschen Impressionisten
- Saal 7 Die französischen Impressionisten
- Saal 8 und 11 Expressionisten
- Saal 9 Die Deutschen Zeichner
- Saal 10 Biedermeierzimmer
- Saal 12 Die Niederländer des 17. Jahrhunderts
Übergeordnet versuchte Dr. Fries, die Entwicklung der deutschen Landschaftsmalerei seit dem 19. Jahrhundert abzubilden, wobei er auch Niederländer des 17. Jahrhunderts heranzog. Dies bedeutet jedoch nicht, dass nur Landschaftsmalerei vertreten war. Vielmehr waren die Genres durchmischt – Porträts, Stillleben und weitere Kunstgattungen begegneten den Besuchenden. Regelmäßig fanden sich auch Grafiken und Skulpturen in den Räumen, im Biedermeierzimmer sogar zeitgenössische Möbel.
Saal 1 „Die Reimann-Sammlung” präsentierte die Sammlung des Elberfelders Fritz Reimann, der diese mit seinem Tod der Stadt gestiftet hatte. In Saal 9 „Die Deutschen Zeichner” wurden keine grafischen Arbeiten, wie der Titel vermuten lässt, sondern Gemälde von Malern präsentiert, die laut Dr. Fries bevorzugt mit der Linie anstelle der Fläche arbeiteten. Der Skulpturensaal wurde bewusst als Unterbrechung in den Rundgang integriert. Wie dem Vorwort des Bildführers zu entnehmen ist, war man besonders stolz auf den Boden aus weißem Marmor, der das Licht der Oberlichter reflektieren und somit dem Schattenwurf auf den Skulpturen entgegenwirken sollte. Selma von der Heydt stiftete 1913 einen Fries von François de Ribaupierre für den Skulpturensaal, der einen Hochzeitszug darstellte und 1943 durch Kriegseinwirkung zerstört wurde.
Einige Titel der Kunstwerke sowie Künstlernamen haben sich im Laufe der Zeit verändert. So wurde beispielsweise Marie Paquet-Steinhausen damals als Maria Steinhausen aufgeführt. Zusammen mit Paula Modersohn-Becker und Ottilie W. Roederstein waren damit drei Malerinnen in der Präsentation vertreten. Manche Künstler erhielten später einen Adelstitel und tragen heute den Zusatz „von” im Namen. Einige Werktitel sind heute spezifischer gefasst: „Die Eremitage von Pontoise” von Paul Cézanne trug damals schlicht den Titel „Landschaft”.
Neben den Beschreibungen in den Sammlungsheften sind von vier Räumen historische Schwarzweiß-Fotografien aus dem Jahr 1913 erhalten. Die Identifikation aller Kunstwerke auf den Fotografien stellt sich als unterschiedlich schwierig dar – oftmals ist nur eine Bestimmung durch Hell-Dunkel-Kontraste möglich. Die wenige Jahre später erschienenen Sammlungshefte sind dabei eine große Hilfe. Durch die begrenzte Anzahl an Kunstwerken pro Raum lassen sich diese einfacher zuordnen, indem man die Originale mit den Schwarzweiß-Fotos vergleicht.
Die Reihenfolge der Kunstwerke in den Sammlungsheften weicht – mit einer Ausnahme – von der Hängung auf den Fotografien ab. Lediglich für Saal 7, der den französischen Impressionisten gewidmet war, stimmen Fotografie und Heftangaben exakt überein.
Besonders aufschlussreich ist die Recherche zu Werken, die auf den Fotografien zu sehen sind, sich heute aber nicht mehr in der Sammlung des Von der Heydt-Museums befinden. Von den 272 aufgezählten Werken sind heute noch 224 in der Sammlung.
Die größte Zahl verloren gegangener Werke wurde verkauft – insgesamt 13 Kunstwerke. Bei der Aktion „Entartete Kunst” 1937, als die Nationalsozialisten Kunstwerke in öffentlichen Museen beschlagnahmten, wurden sechs der aufgezählten Werke mitgenommen, u.a. ein Bild von Picasso – das erste Werk dieses Künstlers überhaupt, das für ein Museum angekauft worden war, und zwar bereits 1911. Weitere vier Werke, die von der Familie von der Heydt geschenkt worden waren, wurden an diese zurückgegeben, um sie vor der Beschlagnahmung zu bewahren. Sie verbrannten 1943 bei einem Bombenangriff auf Wuppertal im Haus der von der Heydts. Den kleinsten Anteil von den 272 Werken machen zwei Werke aus, die mit dem Künstler gegen andere Kunstwerke getauscht wurden.
Dank der unterschiedlichen Quellen – historische Fotografien, Sammlungshefte, Zeitungsartikel und Aufsätze sowie weitere Archivalien – war es möglich, einen präzisen Eindruck der historischen Räumlichkeiten des gerade erweiterten Museums in den 1910er Jahren zu gewinnen.
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