Zeitreise in die historischen Museumsräume

Hans von Marées-Saal im Städtischen Museum Elberfeld 1913

Das Museum nach seiner Erweiterung im Jahr 1913

20. November 2025 |
Philipp Gayer – Digitalisierung 

Die Webseite „Zeitreise in die historischen Museumsräume” bietet einen Einblick, wie die Räume des Städtischen Museums Elberfeld in den 1910er Jahren ausgesehen haben. In diesem Blogbeitrag stellen wir die Hintergründe, die erhaltenen Dokumente aus dieser Zeit und vor allem die Säle im zweiten Obergeschoss des Museums vor.

Die Geschichte des Städtischen Museums Elberfeld beginnt mit der Gründung des Museumsvereins 1892, der sich zum Ziel gesetzt hatte, ein Museum zu etablieren. Nach der Errichtung eines neuen Rathauses am Elberfelder Markt wurde 1902 das ehemalige Rathaus am Turmhof von der Stadt als Museum eingerichtet. Als erster Direktor wurde Dr. Friedrich Fries nach Elberfeld berufen, zuvor Dozent am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main.

Dank des Engagements Elberfelder Bürger im und außerhalb des Museumsvereins wuchs die Sammlung in den ersten Jahren rasant. Zum zehnjährigen Jubiläum 1912 nutzte man die Gelegenheit, die Ausstellungsfläche zu erweitern.

Die Erweiterung im zweiten Obergeschoss erfolgte in einem Geschäftshaus der Stadt, das direkt neben dem Museum am Wall errichtet wurde. Aufgrund witterungsbedingter Bauverzögerungen konnte die Eröffnung erst Anfang 1913 stattfinden. Am Donnerstag, dem 23. Januar 1913, wurde der neue Rundgang durch zwölf Säle feierlich eröffnet, der vorwiegend Gemälde präsentierte.

Neben der Gemäldesammlung im zweiten Obergeschoss befanden sich im ersten Obergeschoss des ehemaligen Rathauses die Keramiksammlung, die Eisensammlung und das Kupferstichkabinett. Die unteren Etagen des Geschäftshauses wurden als Ladenfläche vermietet.

Der Grundriss des zweiten Obergeschosses unterschied sich vom heutigen vor allem darin, dass es einen Innenhof gab, in das ein Treppenhaus hineingebaut war. Mit dem sog. „Inneren Umbau“ der 1980er Jahre wurde der Innenhof überbaut, so dass neue Ausstellungsflächen im ersten und zweiten Obergeschoss entstanden. Mit der Erweiterung 1913 kamen die Räume ab Saal 5 hinzu. Der Ausstellungssaal am Ende des Rundgangs bot Platz für wechselnde Sonderausstellungen.

Die Reihenfolge der Räume und ihre Themen können wir heute anhand kleiner Sammlungshefte zu jedem Saal rekonstruieren. Zwischen 1916 und 1920 verfasste Dr. Friedrich Fries diese Hefte als Orientierungshilfe für die Besuchenden. Sie konnten für 1,20 Goldmark pro Exemplar erworben werden. Darin werden die damals gezeigten Werke pro Raum aufgeführt – insgesamt 272 Kunstwerke. Die Hefte sind in der Museumsbibliothek einsehbar.

Die zwölf Säle im Überblick

  • Saal 1 Die Reimann-Sammlung
  • Saal 2 Die Anfänge der schlichten Landschaftsmalerei
  • Saal 3 Die Ältere Münchener Landschafterschule
  • Saal 4 Hans von Marées
  • Saal 5 Skulpturensaal
  • Saal 6 Die deutschen Impressionisten
  • Saal 7 Die französischen Impressionisten
  • Saal 8 und 11 Expressionisten
  • Saal 9 Die Deutschen Zeichner
  • Saal 10 Biedermeierzimmer
  • Saal 12 Die Niederländer des 17. Jahrhunderts
Grundriss Museum 1913
Grundriss 2. OG, 1913
Grundriss 2. OG, 2025
Grundriss 2. OG, 2025

Übergeordnet versuchte Dr. Fries, die Entwicklung der deutschen Landschaftsmalerei seit dem 19. Jahrhundert abzubilden, wobei er auch Niederländer des 17. Jahrhunderts heranzog. Dies bedeutet jedoch nicht, dass nur Landschaftsmalerei vertreten war. Vielmehr waren die Genres durchmischt – Porträts, Stillleben und weitere Kunstgattungen begegneten den Besuchenden. Regelmäßig fanden sich auch Grafiken und Skulpturen in den Räumen, im Biedermeierzimmer sogar zeitgenössische Möbel.

Saal 1 „Die Reimann-Sammlung” präsentierte die Sammlung des Elberfelders Fritz Reimann, der diese mit seinem Tod der Stadt gestiftet hatte. In Saal 9 „Die Deutschen Zeichner” wurden keine grafischen Arbeiten, wie der Titel vermuten lässt, sondern Gemälde von Malern präsentiert, die laut Dr. Fries bevorzugt mit der Linie anstelle der Fläche arbeiteten. Der Skulpturensaal wurde bewusst als Unterbrechung in den Rundgang integriert. Wie dem Vorwort des Bildführers zu entnehmen ist, war man besonders stolz auf den Boden aus weißem Marmor, der das Licht der Oberlichter reflektieren und somit dem Schattenwurf auf den Skulpturen entgegenwirken sollte. Selma von der Heydt stiftete 1913 einen Fries von François de Ribaupierre für den Skulpturensaal, der einen Hochzeitszug darstellte und 1943 durch Kriegseinwirkung zerstört wurde.

Einige Titel der Kunstwerke sowie Künstlernamen haben sich im Laufe der Zeit verändert. So wurde beispielsweise Marie Paquet-Steinhausen damals als Maria Steinhausen aufgeführt. Zusammen mit Paula Modersohn-Becker und Ottilie W. Roederstein waren damit drei Malerinnen in der Präsentation vertreten. Manche Künstler erhielten später einen Adelstitel und tragen heute den Zusatz „von” im Namen. Einige Werktitel sind heute spezifischer gefasst: „Die Eremitage von Pontoise” von Paul Cézanne trug damals schlicht den Titel „Landschaft”.

Neben den Beschreibungen in den Sammlungsheften sind von vier Räumen historische Schwarzweiß-Fotografien aus dem Jahr 1913 erhalten. Die Identifikation aller Kunstwerke auf den Fotografien stellt sich als unterschiedlich schwierig dar – oftmals ist nur eine Bestimmung durch Hell-Dunkel-Kontraste möglich. Die wenige Jahre später erschienenen Sammlungshefte sind dabei eine große Hilfe. Durch die begrenzte Anzahl an Kunstwerken pro Raum lassen sich diese einfacher zuordnen, indem man die Originale mit den Schwarzweiß-Fotos vergleicht.

Die Reihenfolge der Kunstwerke in den Sammlungsheften weicht – mit einer Ausnahme – von der Hängung auf den Fotografien ab. Lediglich für Saal 7, der den französischen Impressionisten gewidmet war, stimmen Fotografie und Heftangaben exakt überein.

Besonders aufschlussreich ist die Recherche zu Werken, die auf den Fotografien zu sehen sind, sich heute aber nicht mehr in der Sammlung des Von der Heydt-Museums befinden. Von den 272 aufgezählten Werken sind heute noch 224 in der Sammlung.

Die größte Zahl verloren gegangener Werke wurde verkauft – insgesamt 13 Kunstwerke. Bei der Aktion „Entartete Kunst” 1937, als die Nationalsozialisten Kunstwerke in öffentlichen Museen beschlagnahmten, wurden sechs der aufgezählten Werke mitgenommen, u.a. ein Bild von Picasso – das erste Werk dieses Künstlers überhaupt, das für ein Museum angekauft worden war, und zwar bereits 1911. Weitere vier Werke, die von der Familie von der Heydt geschenkt worden waren, wurden an diese zurückgegeben, um sie vor der Beschlagnahmung zu bewahren. Sie verbrannten 1943 bei einem Bombenangriff auf Wuppertal im Haus der von der Heydts. Den kleinsten Anteil von den 272 Werken machen zwei Werke aus, die mit dem Künstler gegen andere Kunstwerke getauscht wurden.

Dank der unterschiedlichen Quellen – historische Fotografien, Sammlungshefte, Zeitungsartikel und Aufsätze sowie weitere Archivalien – war es möglich, einen präzisen Eindruck der historischen Räumlichkeiten des gerade erweiterten Museums in den 1910er Jahren zu gewinnen.

Französischer Impressionismus-Saal, 1913
Französischer Impressionismus-Saal, 1913
Expressionismus-Saal, 1913
Expressionismus-Saal, 1913

Die Webseite entstand 2025 als Abschlussprojekt des Volontariats für Digitalisierung von Philipp Gayer.

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