Die Museumserweiterung
Das städtische Museum Elberfeld verdankte seine Entstehung dem 1892 gegründeten Museumsverein. Nach Errichtung eines neuen Rathauses am Elberfelder Markt wurde 1902 das ehemalige Rathaus am Turmhof als Museum eingerichtet. Erster Leiter des Hauses wurde Dr. Friedrich Fries, vormals Dozent des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt am Main. Die Sammlung vergrößerte sich schnell, so dass mehr Ausstellungsfläche benötigt wurde. Im Jahr 1912 gelang es, die oberen Räume eines von der Stadt neu geplanten Geschäftshauses direkt neben dem Museum für Ausstellungen zu reservieren. Diese Erweiterung der Ausstellungsfläche durch Räume im 2. Obergeschoss des Geschäftshauses, das direkt an das ehemalige Rathaus angrenzte, wurde am 23. Januar 1913 eröffnet. Die unteren Etagen wurden als Ladenfläche genutzt. Der Rundgang durch das 2. Obergeschoss umfasste nun elf Räume. Dr. Friedrich Fries versuchte, über die Räume hinweg die Entwicklung der deutschen Landschaftsmalerei ab dem 19. Jahrhundert darzustellen. Dabei bezog er auch Werke der niederländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts mit ein.
"Das zweite Stockwerk, in dem sich die neuen Säle befinden, enthält in der Hauptsache Gemälde, außerdem moderne Skulpturen und alte Möbel, die dazu dienen, einzelnen Räumen eine gewisse Stimmung zu verleihen."
Kölnische Zeitung, Freitag 24. Januar 1913, Nr. 92
Hans von Marées
Hans von Marées (1834–1887), in Elberfeld geboren, zählt zu den bedeutendsten Malern des 19. Jahrhunderts, die das heutige Wuppertal hervorgebracht hat. Er lebte und arbeitete zunächst in München und widmete sich vorwiegend militärischen Themen und der Porträtmalerei. Marées gehörte gemeinsam mit Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach und dem Bildhauer Adolf von Hildebrand zu den sogenannten „Deutschrömern”, die in Italien lebten und von der Kunst der Renaissance inspiriert wurden.
Dieser Saal wurde ganz Hans von Marées gewidmet. Darunter befanden sich sowohl frühe militärische Darstellungen als auch spätere Werke wie die „Ausfahrt der Fischerboote” von 1873 – eine Skizze für den großen Saal im Zoologischen Institut in Neapel, den Marées gestaltet hatte. Bemerkenswert ist, dass der Raum mit einem Stuckfries und mit einer grünen seidenen Wandbespannung ausgestattet war.
Die Fotografie zeigt auch den Blick in den benachbarten Skulpturensaal, wo „Mädchen mit Katzen” von Nikolaus Friedrichs aus dem Jahr 1900 zu sehen war. Dieser Raum stellte als Skulpturensaal eine bewusste Unterbrechung im Rundgang dar – mit der Absicht, dem Auge eine Betrachtungspause von den zweidimensionalen Gemälden zu gönnen.
Das Lupen-Symbol kennzeichnet interaktive Bilder. Per Klick auf das Bild erscheint das jeweilige Werk in Farbe.
Hans von Marées, Szene aus den Freiheitskriegen, 1862
Hans von Marées, Husaren auf dem Marsch, 1861
Hans von Marées, Furagierende Soldaten, 1862
Nikolaus Friedrich, Mädchen mit Katzen, 1900
Die französischen Impressionisten
In diesem Saal präsentierte das Museum Werke des französischen Impressionismus. Die Präsentation der Gemälde wurde von großen und kleinen Skulpturen ergänzt. Der vorhergehende Saal war den Maler:innen des deutschen Impressionismus gewidmet.
Zu sehen waren unter anderem Highlights, die bis heute zur Sammlung gehören: Alfred Sisleys „Kanal”, Claude Monets „Vétheuil” und Paul Cézannes „Die Eremitage von Pontoise”.
Wie sich Werktitel im Laufe der Zeit verändern können, zeigt Paul Signacs „Segelboote im Hafen von Saint-Tropez” – vor hundert Jahren trug es noch den allgemeineren Titel „Marine”.
Das „Bildnis Anton von Webern” von Max Oppenheimer in der linken Ecke zeigt, dass Dr. Friedrich Fries bei der Zusammenstellung der Räume keine scharfen Grenzen anwendete. Der österreichische Maler hatte keinen direkten Bezug zu Frankreich, doch sein Werk fand dennoch einen Platz im Saal des französischen Impressionismus.
Von den gezeigten Kunstwerken in diesem Raum befinden sich bis auf zwei kleine Skulpturen in der Ecke noch alle in der Sammlung. Die beiden Skulpturen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Raumausstattung bestand aus einer silbergrauen leinenen Wandbespannung und Mahagoni-Holzverkleidungselementen.
Bemerkenswert ist, dass einige der gezeigten Werke 1913 noch Leihgaben von August von der Heydt waren, die erst später in die Sammlung des städtischen Museums Elberfeld übergingen.
Das Lupen-Symbol kennzeichnet interaktive Bilder. Per Klick auf das Bild erscheint das jeweilige Werk in Farbe.
Claude Monet, Vétheuil, um 1901
Alfred Sisley, Kanal, 1884
Paul Cézanne, Die Eremitage in Pontoise, 1881
Auguste Rodin, Schreitender Mann, 1900
Max Oppenheimer, Bildnis Anton von Webern, 1909/10
Paul Signac, Segelboote im Hafen von Saint-Tropez, 1893
Die Expressionisten
Die damals aktuellen expressionistischen Maler in diesem Raum wurden vom Publikum nicht uneingeschränkt positiv aufgenommen.
„Ein besonderer Saal ist der jüngsten Kunst gewidmet. Vor den beiden Gemälden Hodlers, dem Holzfäller und der ‚Verklärung’, einem blutarmen hysterischen Mädchen mit Puppenfüßen, in Ehrfurcht zu erstarren, heischt die Mode; vielleicht wird man über einige Jahre zwar den Schwung der Linien gelten lassen, aber in der kalt berechnenden Vergewaltigung der Natur, der gesuchten Naivität ein Haar finden. Das grobe Frauenbildnis Manguins, eine Landschaft Vlamincks, die beiden Harlekins Picassos, die einige nicht sehr erhebliche Vorzüge der Charakteristik und Farbe durch die willkürliche Missachtung jeglicher Anatomie wettmachen, können wir nur als Verwirrung betrachten.” (Kölnische Zeitung, Freitag 24. Januar 1913, Nr. 92)
Die Mehrzahl der Werke in diesem Raum, dessen Wände mit weißem Stoff bespannt waren, wurde von August von der Heydt geschenkt, der diese teilweise direkt in Paris erworben hatte. Darunter befand sich das Gemälde „Zwei Harlekine”, auch als „Akrobat und junger Harlekin” bezeichnet, von Pablo Picasso aus dem Jahr 1905, auf der Fotografie das mittige Hochformat an der rechten Wand. Dies war der erste Ankauf eines Picasso-Gemäldes weltweit für eine öffentliche Sammlung.
„Dieser Picasso (zwei Harlekins) ist sogar ein köstliches Stück, das später einmal dem Museum zum besonderen Ruhm gereichen könnte, […].” (Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein: Die Rheinlande, 1913)
Von den insgesamt 26 Kunstwerken in den beiden Räumen wurden sechs Gemälde bei der Aktion „Entartete Kunst” der Nationalsozialisten 1937 aus dem Museum beschlagnahmt, darunter das Gemälde von Picasso und die „Flusslandschaft” von Maurice de Vlaminck, auf der Fotografie links neben dem Werk von Picasso. Weitere zehn Werke wurden während des Zweiten Weltkriegs durch Kriegseinwirkung zerstört. Somit befinden sich heute noch zehn Gemälde in der Sammlung des Museums.
Das Lupen-Symbol kennzeichnet interaktive Bilder. Per Klick auf das Bild erscheint das jeweilige Werk in Farbe.
Ferdinand Hodler, Der Holzfäller, 1908/10
Albert Weisgerber, Kreuzigung, 1909
Maurice de Vlaminck, Stillleben, vor 1911
Ferdinand Hodler, Verklärung, um 1904
Mehr Informationen zu den Quellen und der Recherche gibt es im Blogbeitrag.
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