Bild des Monats

Emmy Klinker, Interieur, o. J., Von der Heydt-Museum Wuppertal, Foto: Medienzentrum Wuppertal

Emmy Klinker, Interieur, o. J.

10. Dezember 2025 |
ROLAND MÖNIG – DIREKTOR

Das Von der Heydt-Museum besitzt mehrere Gemälde der Malerin Emmy Klinker (1891–1969), die in (Wuppertal-) Barmen aufwuchs. In ihrer Arbeitsweise steht sie zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Neben Landschaftsdarstellungen malte sie Porträts und Interieurs. Von allen Gattungen gibt es Beispiele in unserer Sammlung, drei Bilder allein sind in der Ausstellung „Museum A bis Z. Von Anfang bis Zukunft“ zu sehen.

Neben dem „Bildnis einer jungen Frau“, bei dem es sich möglicherweise um ein Selbstporträt Emmy Klinkers handelt, ist auch dieses „Interieur“ ausgestellt. Es ist ein kleines Bild mit großer Wirkung, entstanden wahrscheinlich in den 1910er oder 1920er Jahren. Seine Farben sind intensiv, die dargestellte Szene ist so einfach wie dramatisch: Auf einem Bett in einem engen, kastenartigen Raum sitzt eine schmale männliche Figur, die von einer schwefelgelben Linie eingefasst ist – wie ein Irrlicht oder eine Aura. Auf dem Nachttisch rechts steht eine einzelne Kerze mit hellgelbem und orangefarbenem Schein. Ihr Licht wirft dunkle Schatten, die auf den Wänden ein unheimliches Eigenleben führen. Vielleicht ist das Gemälde im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg und dem damit verbundenen menschlichen Leid zu sehen und auch in diesen Jahren gemalt worden. Jedenfalls vibriert es geradezu vor Angst und Einsamkeit.

Emmy Klinker wurde 1891 in Eupen geboren und wuchs in (Wuppertal-)Barmen in einem wohlhabenden und kunstliebenden Elternhaus auf. Mit 16 Jahren begann sie eine künstlerische Ausbildung bei dem Landschaftsmaler Paul von Ravenstein in Karlsruhe. 1911 ging sie nach Berlin und setzte ihre Malstudien bei dem bekannten deutschen Impressionisten Lovis Corinth fort. Im Haus ihres Vaters in Barmen, der ein Sammler zeitgenössischer Kunst war, lernte Klinker Alexej von Jawlensky kennen. Die Werke des „Blauen Reiters“, jener Künstlervereinigung, die Jawlensky mitprägte, wurden für sie zur wichtigsten Inspiration.

1916 zog Klinker nach München und wurde Schülerin bei Albert Bloch, dem letzten verbliebenen Repräsentanten des „Blauen Reiters“. In einer Ausstellung 1918 stellte Klinker gemeinsam mit Bloch im Berliner „Sturm“ aus. Weitere Ausstellungsbeteiligungen, zum Beispiel mit der Novembergruppe in Berlin oder mit der Gruppe Junges Rheinland, folgten. Mehrfach zeigte auch der Barmer Kunstverein ihre Arbeiten.

Die Zeit des Nationalsozialismus verbrachte Klinker zurückgezogen in München. Drei Werke im Bestand des Barmer Kunstvereins wurden im Zuge der nationalsozialistischen Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt, ein Ausstellungsverbot drohte. Weil sie jüdischen Freunden Unterschlupf geboten hatte, war sie 1944/45 fünf Monate im KZ Dachau inhaftiert. Nach dem Krieg stellte Klinker wieder aus. Sie starb 1969 in München tragischerweise bei einem Autounfall.

Nach ihrem Tod gerieten Emmy Klinkers Werke beinahe in Vergessenheit. Erst in den vergangenen Jahren wurden sie wieder einem breiteren Publikum präsentiert. Maßgeblich beigetragen zu ihrer Wiederentdeckung hat die Ausstellung „Der Sturm. Zentrum der Avantgarde“ 2012 im Von der Heydt-Museum.

Weitere Beiträge

Das Museum nach seiner Erweiterung im Jahr 1913
Zeitreise in die historischen Museumsräume
Interview mit den Kuratorinnen Anna Baumberger und Dr. Henrike Stein
Museum A bis Z: Von Anfang bis Zukunft
Künstlerische Kommentierung der „Pallas Athene“ von Arno Breker durch Azra Akšamija
„Eulensicht“
Emmy Klinker, Wuppertal, vermutlich 1928
Bild des Monats
Ein Interview mit Dr. Mönig
Der Expressionismus ist meine Leidenschaft