Bild des Monats

Alexander Frenz, Bildnis Selma von der Heydt, 1891, Von der Heydt-Museum Wuppertal, Foto: Medienzentrum Wuppertal

Alexander Frenz, Bildnis Selma von der Heydt, 1891

1. September 2025 |
ROLAND MÖNIG – DIREKTOR

Selma von der Heydt (1862-1944) war wie ihr Mann August eine Elberfelder Kunstsammlerin und Mäzenin mit Schwerpunkt moderne Kunst. Dieses Porträt von ihr wird selten ausgestellt, da es mit Pastellkreiden auf Pappe gemalt wurde und daher sehr lichtempfindlich ist. Neben dem Porträt von Selma von der Heydt besitzt das Von der Heydt-Museum eine weitere Pastellzeichnung des Künstlers Alexander Frenz, die ihren Mann August von der Heydt zeigt, jedoch wesentlich weniger detailliert ausgeführt worden ist. Beide Arbeiten auf Papier kamen aus dem Besitz des Sohnes Eduard von der Heydt in die Sammlung des Museums.

Der in Rheydt am Niederrhein geborene Alexander Frenz wurde an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildet. Im Anschluss ging er nach München, um bei Franz von Lenbach zu lernen, kehrte aber bald nach Düsseldorf zurück. Er wurde insbesondere als Maler des Symbolismus bekannt, erhielt Aufträge für Wandbilder in öffentlichen Gebäuden und für Privathäuser, u. a. in Elberfeld und für das Elberfelder Theater. In diesem Zusammenhang dürfte Frenz den persönlichen Kontakt zur Familie von der Heydt gefunden und das Porträt von Selma von der Heydt angefertigt haben.

Die Porträtierte, zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt, ist im Dreiviertelporträt gezeigt, ihr Gesicht wird von den locker hochgesteckten Haaren mit einzelnen feinen Stirnlocken gerahmt. Den offenen Blick richtet sie an den Betrachtenden vorbei in die Ferne. Ein kleiner brillierender Ohrschmuck lenkt den Blick auf ihr Gesicht, das zeichnerisch wie malerisch wesentlich ausführlicher erfasst ist als ihr Oberkörper. Leicht gedreht, ist dieser seitlich ins Bild gerückt: ihre linke Schulter im Vordergrund, der linke Arm ist angewinkelt, und die Hand liegt locker und entspannt auf ihrem Dekolleté. Selma von der Heydt trägt ein lichtgraues, halbtransparentes Kleid mit einem weißtransparenten Volantkragen, der mit einem gelben Rosenbouquet geschmückt wird. Der Hintergrund ist neutral in Blassrosa gehalten. Der aufwändige Zierrahmen des Bildes steht in einem gewissen Widerspruch zu dem Charakter des Werks als einer Vorstudie für ein Gemälde. Es ist davon auszugehen, dass es sich um den Originalrahmen handelt, in dem das Werk – und damit die Dargestellte – auch im Privathaus der Familie von der Heydt gewürdigt wurde.

Das Porträt von Selma von der Heydt ist zurzeit in der Ausstellung „Museum A bis Z. Von Anfang bis Zukunft“ ausgestellt – direkt im ersten Raum. Denn mit der Familie von der Heydt ist unsere Museumsgeschichte von Anfang an eng verknüpft. Die Familie, deren Name das Museum seit 1961 trägt, gehört zu den wichtigsten Mäzenen des Hauses. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Sammlung stammt aus ihrem Besitz.

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