Neue Perspektiven auf Carl Grossberg

Viktoria Hülper, Julia Dürbeck, Armin Alic und der Jugend-Kunst-Klub im Atelier.

Kinder gestalten eigenen Multimedia-Guide

16. April 2026 |
Leonie Westphal – Marketing

Bei uns im Von der Heydt Museum ist zur aktuellen Ausstellung des Malers Carl Grossberg ein besonderes Projekt entstanden: Ein Multimedia-Guide für Kinder – entwickelt und eingesprochen von Kindern den jungen Kunstfans selbst.
Sieben junge Mitglieder des Jugend-Kunst-Klubs des Museums haben die Audiobeiträge unter der Leitung von Melanie vom Bauer aufgenommen. Für die technische Umsetzung sorgte Armin Alic. Dafür wurde in der Bibliothek kurzerhand ein Tonstudio eingerichtet. Gerade diese improvisierte Situation schuf eine persönliche Atmosphäre, in der sich die Kinder wohlfühlten und „über sich hinauswachsen konnten“, so Armin Alic.

Der Jugend-Kunst-Klub, der sich an kreative Kinder und Jugendliche ab acht Jahren richtet, bietet regelmäßig Raum für genau solche Projekte. Einmal wöchentlich – donnerstags von 16 bis 18 Uhr – treffen sich die Teilnehmenden, um unter professioneller Anleitung eigene künstlerische Ideen zu entwickeln, Ausstellungen zu erkunden und das Museum aktiv mitzugestalten. Auch der Multimedia-Guide ist aus dieser kreativen Arbeit heraus entstanden.
Die Kinder wählten ihre Werke von Carl Grossberg im Vorfeld selbst aus und entwickelten eigene Geschichten dazu. So wird Kunst nicht nur erklärt, sondern erzählt. Ein besonders anschauliches Beispiel liefern Emilia und Lia: Für das Gemälde „Stahlmöbel“ von Grossberg haben sie eine Geschichte über die sieben Sinne-Stühle erfunden. In ihrer Version können die Stühle sprechen und stehen jeweils für einen der Sinne. Dadurch erhält das eher sachliche Bild eine neue, spielerische Perspektive – und wird für junge Besucher:innen plötzlich spannend und zugänglich.

Auch akustisch wird der Guide zu einem Erlebnis. Die Geschichten sind mit selbst produzierten Hintergrundgeräuschen unterlegt. Für das Werk „Stahlskelett“ etwa erzeugten die Kinder metallische Klänge mit Löffeln und anderen metallischen Gegenständen. So entsteht eine dichte Atmosphäre, die die Bilder zusätzlich zum Leben erweckt. „Das war weit mehr als ein einfaches Einsprechen von Texten – die Kinder sind richtig in ihre Rollen geschlüpft und haben die Geschichten mit viel Ausdruck und Spielfreude zum Leben erweckt“, sagt Armin Alic.
Neben der kreativen Arbeit spielte auch die persönliche Entwicklung der Kinder eine große Rolle. Das Sprechen vor dem Mikrofon erfordert Mut – und genau diesen konnten die Teilnehmenden im Projekt stärken. Viele wuchsen dabei über sich hinaus und gewannen neues Selbstvertrauen.
Auch Julia Dürbeck von der Kunstvermittlung des Museums, die das Projekt mitbetreut hat, zeigt sich begeistert: „Wir sind sehr stolz auf das, was die Kinder hier geschaffen haben. Mit viel Fantasie, Mut und Engagement ist ein Multimedia-Guide entstanden, der Kunst auf eine ganz eigene, lebendige Weise vermittelt.“

Der Multimedia-Guide zeigt damit eindrucksvoll, wie lebendig Kunstvermittlung sein kann – besonders dann, wenn Kinder sie selbst gestalten. Jede/r kann ihn – auch von zu Hause – auf unserer Website aufrufen: www.guide.von-der-heydt-museum.de

Mitwirkende: Melanie vom Bauer, Julia Dürbeck, Armin Alic, Markela, Manuel, Lia, Emilia, Daniz, Elisa Addie

Bild 1–3: Azra Akšamija, Eulensicht, 2025 © Künstlerin / im Hintergrund: Arno Breker, Pallas Athene, 1957 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Stefanie vom Stein, Stadt Wuppertal
Bild 4: Ausstellungskatalog 1937


Azra Ak
šamija
Die Künstlerin und Architekturhistorikerin Prof. Dr. Azra Akšamija wurde 1976 in Sarajevo in Bosnien und Herzegowina geboren. Heute lebt und arbeitet sie in Boston (USA) und Graz (Österreich).

Akšamija studierte Architektur an der Technischen Universität Graz und der Princeton University. 2011 promovierte sie zu Geschichte, Theorie und Kritik der Architektur am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Seit 2024 ist sie Professorin am Fachbereich Architektur des MIT, wo sie das Programm für Kunst, Kultur und Technologie sowie das Future Heritage Lab leitet. Ihre künstlerischen Projekte wurden in Ausstellungen weltweit gezeigt und sie erhielt Auszeichnungen wie 2013 den Aga Khan Preis für Architektur und 2018 den Kunstpreis der Stadt Graz.

Akšamija verbindet in ihrer künstlerische und wissenschaftliche Arbeit Kunst, Design und Denkmalpflege mit sozialen und kulturellen Fragestellungen. So untersucht sie, wie die Zerstörung kultureller Infrastrukturen im Rahmen von Konflikten das soziale Leben beeinflussen, aber auch welchen Beitrag Kunst und Architektur für eine Verständigung in Gemeinschaften leisten können.

Arno Breker
Der Bildhauer Arno Breker wurde 1900 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Im Anschluss an sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf lebte Breker ab 1925 für mehrere Jahre in Paris und knüpfte viele Kontakte zur Pariser Kunstszene. 1934 kehrte er nach Deutschland zurück und stieg ab 1936 schnell zum prominentesten Bildhauer des NS-Regimes auf.

1937 trat Breker der NSDAP bei. Er erhielt zahlreiche Staatsaufträge für die Ausgestaltung der Reichshauptstadt Berlin, des Reichsparteitagsgeländes Nürnberg und anderer Großprojekte. Trotz seiner prominenten Stellung und seines Einsatzes für das NS-Regime wurde Breker im Entnazifizierungsverfahren 1948 lediglich als „Mitläufer“ eingestuft.

Nach 1945 erhielt Arno Breker nur noch vereinzelt öffentliche Aufträge, u.a. den für die „Pallas Athene“ in Wuppertal. 1950 ließ er sich in Düsseldorf nieder, wo er 1991 starb. Durch viele private Aufträge für Porträtbüsten von prominenten Personen aus Wirtschaft, Kultur und Politik war er bis an sein Lebensende weiterhin erfolgreich künstlerisch tätig.

Publikation
Zum Projekt erschien die Publikation „Eulensicht. Eine künstlerische Kommentierung zu Arno Brekers „Pallas Athene“ von Azra Akšamija, hrsg. von der Stadt Wuppertal, Bönen 2025.

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