Zeiten und Räume

Pierre Bonnard, Das Esszimmer – La nappe blanche, 1925, Von der Heydt-Museum Wuppertal, Foto: Medienzentrum Wuppertal
Klassiker der Sammlung. Mit Geburtstagsgästen
20. Juni 2027 – März 2028

Das Von der Heydt-Museum feiert seinen 125. Geburtstag und lädt dazu besondere „Gäste“ ein: Der Geburtstagstisch wird in der Sammlungspräsentation „Zeiten und Räume“ gedeckt, ein Rundgang ausgewählter Klassiker der Gemälde- und Skulpturensammlung. Dieser ist in neun Themenräumen, die sich künstlerisch bedeutenden Orten und Zeiträumen widmen, aufgebaut. Der Parcours führt von den Niederlanden bzw. Flandern des 16. und 17. Jahrhunderts, über die Entwicklung der Klassischen Moderne in Frankreich, über die Künstlerkolonie Worpswede und den deutschen Expressionismus bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Einladung zur Geburtstagsfeier haben drei zeitgenössische Künstlerinnen angenommen: Annika Kahrs, Anna Oppermann und Ivana de Vivanco. Ihre Werke treten in einen spannungsreichen Dialog mit den Publikumslieblingen des Museums und öffnen die renommierte Sammlung für gegenwärtige Themen und Diskurse.

Von Annika Kahrs (geb. 1984) wird die Videoarbeit „La Banda“ aus dem Jahr 2024 gezeigt. Kahrs arbeitete dabei mit dem generationenübergreifenden Orchester Banda Musicale di Olevano Romano zusammen, das sie bat, durch die Straßen der italienischen Stadt Olevano zu ziehen und dort eine Art Parade abzuhalten. Motiv der Arbeit ist das Interagieren der Gruppe und das Zusammenkommen unterschiedlicher Menschen. Olevano ist aus kunsthistorischer Perspektive ein besonderer Ort: Etwa 50 Kilometer östlich von Rom gelegen, wurde er im 19. Jahrhundert von dem Künstler Joseph Anton Koch entdeckt und zum Anziehungspunkt mehrerer Künstler:innengenerationen. Nicht nur ist Koch in der Sammlung des Von der Heydt-Museums vertreten, auch Olevano als Motiv ist mehrfach in der Sammlung anzutreffen.

„Mach Kleine Überschaubare Verkäufliche Objekte!“ heißt die installative Arbeit, die von Anna Oppermann (1940-1993) präsentiert wird. Die Künstlerin entwickelte sie für eine Retrospektive in Hamburg 1984 und baute dabei die Fensterecke ihrer Küche nach – inklusive Küchentür. Rund 120 Zeichnungen, 11 Leinwände, 15 Fotografien und 76 Grafiken finden sich zu einem dichten Ensemble zusammen, bei dem Oppermann den Rat beherzigte, Kunst zu schaffen, die leichter händelbar und damit auch besser verkäuflich ist. So ist die raumgreifende Arbeit als subtiler Kommentar auf den Kunstmarkt und der Selbstvermarkung von Künstler*innen zu verstehen. Oppermann hat auch einen direkten Bezug zu Wuppertal: Sie war von 1982 bis 1990 Professorin an der Bergischen Universität.

Die chilenisch-peruanische Künstlerin Ivana de Vivanco (geb. 1989) steuert das Werk „Refuge“ aus dem Jahr 2025 bei. Es kommt in Gestalt eines einfachen begehbaren Hauses daher, die vier Außenwände farbenfroh und figurativ bemalt, im Inneren eine Reihe von Fotografien. „Refuge“ ist das Resultat von Forschungsreisen in den Norden Chiles, wo der Abbau von Kupfer und Lithium große Schäden in der Landschaft hinterlassen hat.