Beim Besuch des Museums entfällt nun die 3-G-Regelung. Es gilt jedoch weiterhin die Verpflichtung zum Tragen einer medizinischen Maske. Ukrainer:innen haben bei uns mit Vorlage des Passes freien Eintritt.

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Forschung

Provenienzforschung

Provenienzforschung ermittelt die Herkunft von Kunst- und Kulturgut und zählt zu den Kernaufgaben der musealen Arbeit. Das Ziel der Recherchen ist es, alle Besitzwechsel eines Objekts von seiner Entstehung bis heute zu dokumentieren. Der Schwerpunkt der Provenienzforschung am Von der Heydt-Museum liegt auf der Rekonstruktion der Objektgeschichten während der Zeit des Nationalsozialismus und der Identifizierung von möglicherweise NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut, sogenanntem NS-Raubgut.

Die Grundlage für den Umgang mit NS-Raubgut bilden die 1998 formulierten Grundsätze der Washingtoner Konferenz, den „Washingtoner Prinzipien“. Mit der „Gemeinsamen Erklärung“ der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände folgte 1999 die moralische Verpflichtung von öffentlichen Einrichtungen zur Auffindung von NS-Raubgut. Wenn ein verfolgungsbedingter Entzug nachgewiesen werden kann, gilt es, eine „gerechte und faire“ Lösung zu erarbeiten.

Am Von der Heydt-Museum wird der gesamte Sammlungsbestand systematisch geprüft: Hierbei geht es um die Untersuchung aller Objekte, die vor 1946 entstanden und nach 1933 in die Sammlung gelangt sind. Anlassbezogene Recherchen – bei Anfragen und Auskunftsersuchen von möglicherweise anspruchsberechtigten Personen – werden dabei prioritär bearbeitet.

Die Restauratoren Sabine Hermes und Sarah Vortler bei der Retusche von Moritz von Schwinds Bild „Ritterliches Liebespaar“ von 1824.

Forschungsvolontariat

Im Frühjahr 2020 konnte ein Werkkonvolut von Jankel Adler (1895-1949), bestehend aus 548 Werken auf Papier sowie vier Gemälden, aus dem Nachlass des polnisch-jüdischen Künstlers erworben werden. Im Rahmen eines zweijährigen Forschungsvolontariats, ermöglicht durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, wird das Konvolut von Kateryna Kostiuchenko wissenschaftlich bearbeitet und der weiteren Forschung zugänglich gemacht. Die Ergebnisse werden im Sommer 2022 in einer umfassenden Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Restaurierung

Im Zusammenhang mit der kontinuierlichen restauratorischen Arbeit am Sammlungsbestand werden immer wieder einzelne Werke intensiver untersucht. So konnten im Jahr 2020 fünf Gemälde der Künstler Moritz von Schwind, Heinrich Hoerle, Asger Jorn, Ernst Wilhelm Nay und Eduard Bargheer dank einer Förderung der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung bearbeitet werden. Mit der finanziellen Unterstützung des Landes NRW wurden im Jahr 2021 Werke von Ernst Olle Bertling, Max H. Mahlmann und Michael Argov restauriert.

Bildnis Otto Dix

Untersuchung des Werkes „Stillleben mit Früchten“, in der Art des Jan Davidsz. de Heem

Auf einer links endenden steinernen Tischplatte, die rechts von einer zusammengerafften violetten Samtdecke belegt ist, steht in der Mitte ein goldener Akeleibecher. Links daneben ein Stengelglas mit Rotwein, davor eine offene Zinnkanne, auf deren Ausguss ein Römer steckt. Rechts eine schräg liegende Delfter Schüssel mit Trauben und Pfirsichen. Am Rand rechts eine angeschnittene Melone. Weiter links ein Zinnteller mit Orangen und halbgeschälter Zitrone, ein herabhängender Kirschenzweig sowie eine umgestürzte silberne Schale. Am linken Bildrand eine steinerne Säule. Das Werk wird insgesamt von dunklen, braunen Farben dominiert. Das Früchtearrangement, scheinbar beleuchtet, hebt sich farblich deutlich ab, auch wenn einige Objekte im Schatten liegen.

Das Gemälde wurde 2021/2022 in der Sammlungspräsentation „Goldene Zeiten. Die Sammlung niederländischer Kunst und ihre Geschichte(n)“ (11.03.2021-10.04.2022) präsentiert. Es kam 1913 als Schenkung in den Besitz des Museums. Trotz Recherchen, wie der erneuten Untersuchung der Rückseite und der darauf befindlichen Stempel und Etiketten, war es nicht möglich, weitere Provenienzstationen zu ermitteln. Es gibt jedoch keine Hinweise auf eine bedenkliche Provenienz.

Durch die Unterstützung der Renate und Eberhard Robke-Stiftung war es 2021 möglich, das Werk für eine mögliche Restaurierung prüfen zu lassen. Dafür wurde das Werk in das Kölner Restaurierungsatelier der Diplom-Restauratorin Sabine Hermes gebracht. Das primäre Ziel einer Restaurierungsmaßnahme wäre es, das Gemälde zu reinigen und nach Möglichkeit einen Effekt der Aufhellung zu erzeugen.

Sabine Hermes hat das Gemälde zunächst in ihrem Atelier einer ausführlichen Untersuchung unterzogen und dabei auch an kleinen Stellen probeweise Firnis abgetragen. Diese Voruntersuchungen sind unerlässlich, um zu prüfen, ob ein Werk überhaupt restauriert werden kann. In der Prüfung sind nun folgende Dinge erkannt worden: Grundsätzlich befindet sich das Gemälde in gutem Zustand. Es wurde in der Vergangenheit doubliert. Im Nahbereich sind allerdings zahlreiche Überarbeitungen aus mehreren Restaurierungsphasen sichtbar geworden. Dabei handelt sich um „optisch unpassende Retuschen und Übermalungen, in der Mehrzahl von minderer Qualität, die wohl Schäden in der Bildschicht überdecken“ (Sabine Hermes). Einige Retuschen zeichnen sich als dunkle Flecken auf dem Firnis ab. Die meisten Retuschen sowie malerischen Überarbeitungen liegen unter dem Firnis und überdecken verputzte Bereiche der Malerei. Es wurden außerdem Konturen nachgezogen. Es sind verschiedene Craqueléformen zu verzeichnen, beispielsweise gitterförmig im Bereich der Pfirsiche. Stellenweise sind die Craquelékanten flach und abgerundet sowie frühschwundartig verbreitert, z. B. im Bereich des dunklen Hintergrunds (Säulenbasis, links).

Einen besonders interessanten Fund machte Sabine Hermes an einer Probenstelle im Bereich der Weintrauben (rechts im Bild). Unter den hinteren, scheinbar im Schatten liegenden Früchten, befindet sich ein anderes rot ausgeführtes Motiv, welches mit den Trauben wohl übermalt wurde. Bei genauer Betrachtung fällt hier auch ein formaler Unterschied in der Ausführung der Trauben vorn und hinten auf. Um die unter der Übermalung befindliche Malerei sichtbar zu machen, wurde das Gemälde also einer Röntgen- und Infrarotuntersuchung unterzogen, die an der TH Köln durchgeführt wurde. Die dort hergestellten Aufnahmen offenbaren das unter den Trauben versteckte Motiv: Es handelt sich um einen roten, aufgeschnittenen Granatapfel.

Ferner bestätigte die Infrarotaufnahme eine Vermutung, die auch Sabine Hermes aufgestellt hatte und die sich mit dem Wissensstand des Von der Heydt-Museum deckt. Die mikroskopische Untersuchung, wie auch die Infrarotuntersuchung, geben Hinweise darauf, dass die Signatur, die sich links im Bild auf einer Säule befindet, nicht original ist, sondern vermutlich in einer späteren Phase aufgetragen wurde. Die Zuschreibung des Werkes als ein von Jan Davidsz. de Heem (1606-1683) gefertigtes Werk war bereits in den 1980er Jahren in Zweifel gezogen worden. Damals wurde überlegt, ob es sich um ein Werk von Joris van Son (1623-1667) handeln könnte, ein Schüler oder gar Mitarbeiter in de Heems Atelier. Diese Vermutung wird letztlich durch die hohe motivische Verwandtschaft zwischen den Darstellungen de Heems und van Sons gestärkt, lässt sich aber derzeit nicht eindeutig belegen. In der kunsthistorischen Forschung zu van Son finden sich immer wieder Verweise auf de Heem und es wird ein starker Einfluss von de Heem auf van Son attestiert. Van Son bevorzugte wie de Heem das Genre Stillleben, besonders Früchtestillleben, Blumenstillleben und Vanitas-Stillleben. Das Motiv des Akeleibechers und des Stengelglases sowie der aufgeschnittenen Zitrone tauchen mehrfach sowohl bei de Heem als auch bei van Son (sowie natürlich auch anderer Maler dieser Zeit) auf. Auch hinsichtlich Farbgestaltung und Komposition gibt es Parallelen.

Die Übermalung des Granatapfels wirft Fragen auf: Warum hat sich der Maler (oder ein späterer Maler?) zu dieser motivischen Veränderung entschieden? Der Granatapfel steht, in christlicher Ikonografie, für Christus und Maria, ferner ist es ein Symbol für Leben und Tod, aber auch für Fruchtbarkeit, besonders wenn es sich um einen geöffneten Granatapfel handelt. Es ist also ein tradiertes Motiv, welches nicht untypisch ist für die Stillleben dieser Zeit. Im „Prunkstillleben mit Gläsern und Musikinstrumenten“ von de Heem, um nur ein anderes Beispiel exemplarisch zu nennen, ist sowohl der Akeleibecher als auch ein Granatapfel zu sehen, auch eine geschälte Zitrone sowie eine Melone. Das Repertoire wäre also typisch für de Heem – ebenso wie für van Son. Um dieser spannenden Frage weiter auf den Grund gehen zu können, müsste zunächst zweifelsfrei festgestellt werden, wann der Granatapfel durch die Trauben übermalt wurde. Nur so könnte überlegt werden, ob es sich um eine motivische Veränderung des Urhebers handelt (vielleicht durch den Wunsch eines möglichen Auftraggebers) oder die Entscheidung eines späteren „Übermalers“, wer auch immer dies war.

Die Röntgen- und Infrarotuntersuchung zeigt außerdem, dass die Delfter Schüssel (rechts im Bild) später übermalt wurde. Auch einige der Blätter am rechten Bildrand sind erst in späteren Zeiten aufgesetzt worden. Ferner ist der gesamte Hintergrund übermalt worden. Wie die Untersuchung gezeigt hat, sind damit wohl frühere Restaurierungsschäden überdeckt worden. In der linken unteren Bildecke sind Übermalung und Firnis im Zuge einer anderen Restaurierungsmaßnahme bereits abgenommen worden. In diesem Bereich zeigt sich die ursprüngliche Gestaltung des Hintergrunds: eine schwarze malerisch aufgetragene Lasur, die die hellgraue Untermalung durchscheinen lässt.

Die durch die Proben und Röntgen- bzw. Infrarotaufnahmen gewonnenen Erkenntnisse führten letztlich zu der Entscheidung, die geplante Restaurierung nicht durchzuführen. Die Möglichkeit, dass das Werk durch die Abnahme des Firnisses seine bekannte Erscheinung verlieren würde, stand nicht in Relation zu dem Effekt der Restaurierungsmaßnahme. Dennoch sind die Untersuchungen und ihre Ergebnisse als wertvoller wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn zu werten. Zwar lässt sich nun die ursprüngliche Zuschreibung als de Heem kaum noch halten, doch für die Sammlungsforschung des Von der Heydt-Museum ist dieses Wissen von großer Bedeutung. Es zeigt, dass sich Erkenntnisse auch noch Jahrhunderte nach Entstehung eines Werkes generieren lassen, und beweist, dass die systematische Untersuchung des Sammlungsbestandes eine wertvolle und äußerst sinnvolle Tätigkeit ist, die Wissen erweitert und neue Perspektiven öffnet. Natürlich sind diese Untersuchungen mit erheblichen personellen und finanziellen Aufwendungen verbunden, so dass eine wissenschaftliche Priorisierung oder – wie in diesem Falle – projektbezogene Arbeit von Nöten ist. Doch Ziel sollte stets sein, die Lücken in der Sammlungsforschung zu benennen und nach Möglichkeit auch zu schließen.

Stillleben mit Früchten, nach Art des Jan Davidsz. de Heem, 17. Jh., Leinwand, 85 x 113 cm, Von der Heydt-Museum
UV-Ansicht des Gemäldes
Freilegungsprobe im Bereich der Weintrauben
Freilegungsprobe im Bereich der Weinblätter
Linke untere Bildecke

Die Restaurierung wurde gefördert von

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