Der Museumsbesuch ist aufgrund der Maßgaben der aktuellen Corona-Schutzverordnung weiterhin nur mit einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung möglich.

Ernst Ludwig Kirchner

Frauen auf der Straße

Öl auf Leinwand

126 x 90 cm

Sammlung August von der Heydt (vor 1918), erworben 1952 als Schenkung von Dr. Eduard Freiherr von der Heydt

Kunst zum Hören

Ernst Ludwig Kirchner, Frauen auf der Straße, 1915 Hella Nocke-Schrepper

0:00|0:00

Titel:Frauen auf der Straße
Künstler:in:Ernst Ludwig Kirchner
Entstehungszeit:1915
Objektart:Gemälde
Material und Technik:Öl auf Leinwand
Inventarnummer:Inv. G 0681
Die „Frauen auf der Straße“ von Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) entstand 1915 in Berlin als letztes von acht Gemälden mit Straßenszenen. Die 1913 begonnene Werkreihe bildet einen Höhepunkt seines expressionistischen Schaffens am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Im Oktober 1911 war Kirchner mit den Freunden der „Brücke“-Gemeinschaft von Dresden nach Berlin gezogen. Doch seine Hoffnungen auf bessere Existenz-Bedingungen in der Metropole wurden enttäuscht, und nach dem Auseinanderbrechen der „Brücke“ im Mai 1913 fühlte er sich der Einsamkeit und Not noch mehr ausgeliefert. Hinzu kam die Reizüberflutung der Großstadt, und alles zusammen führte dazu, dass Kirchner sich in eine große Nervosität hineinsteigerte.

Oft zog Kirchner nachts durch die Straßen, um Passanten zu beobachten. Es wurde geradezu eine Obsession von ihm, Prostituierte und ihre Freier bei heimlichen Kontaktversuchen zu beobachten und solche Szenen des Berliner Nachtlebens, die sich u. a. vor dem Brandenburger Tor, am Potsdamer Platz und am Kurfürstendamm abspielten, rasch zu skizzieren In seinem Atelier vollzog Kirchner dann mit dem Arbeitsprozess von der Skizze zum Ölbild einen Schritt „von der Ekstase des ersten Sehens zur Formung aus dem Gedächtnis“. Unter dem Einfluss des italienischen Futurismus übertrug er seine nervöse Energie in dynamische Ausdrucksformen. Dabei wurden Motive wiederholt, variiert und abgewandelt, bis eine atmosphärische Verdichtung des Ausdrucks erreicht war.

Unser Straßenbild zeigt einen Herrn in Begleitung von zwei Damen, dahinter erscheint eine Vielzahl weiterer Herren in rhythmischer Reihung. Mit der Komposition als einer Choreographie von „Kraftlinien“ wollte Kirchner „das Gefühl, was über einer Stadt liegt“ vermitteln und in der Art, „wie Menschen sich im Gedränge komponieren“, das Erlebte fassen. Die Kokotten, erkennbar an ihren auffälligen Federhüten, Pelzen und der Schminke, weckten Kirchners Interesse durch ihre gleichermaßen künstliche wie auch morbide Ausstrahlung. Fasziniert von ihrer zugleich verführerischen wie auch zerbrechlichen Schönheit sah er in ihnen Repräsentantinnen der ambivalenten Aspekte des modernen Lebens.

Wir bitten um Verzeihung

Der von Ihnen verwendete Browser kann diese Webseite nicht Darstellen. Bitte Verwenden Sie einen Aktuelleren Browser.