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Brücke

Die Künstlergruppe „Brücke“ wurde am 7. Juni 1905 in Dresden durch die Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff gegründet. Als Maler waren sie Autodidakten. Das Ziel der Gruppe war es, die akademische Malweise hinter sich zu lassen und die Kunst in eine neue Richtung zu lenken. Bereits im Jahr 1906 traten Max Pechstein und Emil Nolde der „Brücke“ bei. Im September desselben Jahres fand die erste Ausstellung der „Brücke“-Künstler in Dresden statt. 1907 schieden Emil Nolde und Fritz Bleyl aus. 1910 trat Otto Mueller bei. Nachdem Max Pechstein bereits 1908 nach Berlin gezogen war, siedelte die Gruppe 1911 in die Metropole über. 1912 wurde Max Pechstein aufgrund seiner Teilnahme an der Ausstellung der „Berliner Secession“ aus der Gruppe ausgeschlossen. Im Mai 1913 wurde die „Brücke“ aufgelöst.

Blaue Reiter

Der „Blaue Reiter“ war eher eine lose Vereinigung gleichgesinnter Künstler:innen als eine feste Gruppe, die sich zuvor aus der „Neuen Künstlervereinigung München“ abgesondert hatten. Zu den Protagonist:innen gehörten Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz und Maria Marc, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, Paul Klee oder Heinrich Campendonk. Am 18. Dezember 1911 fand die erste Ausstellung der Redaktionsgemeinschaft „Der Blaue Reiter“ in der Moderne Galerie Heinrich Thannhauser im Arco-Palais, Theatinerstraße 7, in München statt. Die legendäre Ausstellung wurde von Gabriele Münter fotografisch dokumentiert. Namensgebend wurde die Programmschrift „Der Blaue Reiter“, die Wassily Kandinsky gemeinsam mit Franz Marc im Mai 1912 herausgab.

Die Sommer 1909 und 1910 verbrachten die Malerkollegen und „Brücke“-Gründer Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel an den nördlich von Dresden gelegenen Moritzburger Teichen. 1910 kam auch Pechstein dazu. In der Naturidylle der Seenlandschaft entstanden hauptsächlich Aktbilder, die eine unverfälschte Harmonie zwischen Mensch und Natur ausstrahlen.

Der Ort Murnau steht heute als Geburtsort des „Blauen Reiters“. Dort fanden sich ab 1908 Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky zusammen. Die Landschaft rund um den Staffelsee diente als Inspiration und war Ausgangspunkt für einen künstlerischen Umbruch, der letztlich zum Expressionismus führte.

Außer zu den Moritzburger Teichen unternahmen die „Brücke“-Künstler auch Ausflüge nach Fehmarn, auf die Flensburger Förde oder nach Nidden, auf der Kurischen Nehrung. Kirchner verbrachte allein vier Sommer auf Fehmarn und hielt dazu fest: „Fehmarn ist mein irdisches Paradies, mit wundervoller Küstenbildung, manchmal von Südseereichtum“ (Kirchner, 1908). Hier erlebte er die „letzte Einheit von Mensch und Natur“.

Im August 1909 erwarb Münter ein Haus in Murnau an der Kottmüllerallee. Bis 1914 hielten sie und Kandinsky sich dort immer wieder auf. Das auch „Russenhaus“ oder „gelbes Haus“ genannte Domizil wurde zu dem Treffpunkt und Versammlungsort des „Blauen Reiters“. Hier wurde diskutiert, debattiert und das Programm entworfen. Für Münter und Kandinsky wurde aber auch das Haus selber sowie der Garten und das direkte Umland zur wichtigen Inspirationsquelle.

Umzug nach Berlin: Ende des Jahres 1911 folgten die anderen „Brücke“-Mitglieder Max Pechstein, der bereits nach Berlin gegangen war, und siedelten ebenfalls in die Hauptstadt über. Die Themen der Großstadt fanden nun Einzug in die Malerei, Kirchner erstellte seine berühmte Serie der Straßenbilder.

München galt noch im 19. Jahrhundert als die deutsche Kunstmetropole, auch wegen der Achse zu Paris. So zog es auch die Protagonist:innen des „Blauen Reiters“ in die Großstadt, die mit der Damen-Akademie auch Frauen wie Gabriele Münter eine künstlerische Ausbildung ermöglichte.

Die Landschaft stellt eines der bevorzugten Bildsujets sowohl der „Brücke“-Künstler als auch des „Blauen Reiters“ dar. Die die Künstlerinnen und Künstler umgebende Landschaft – in Murnau, auf Fehmarn oder an den Teichen nahe Dresden – ist Sehnsuchtsort und Inspiration zugleich. Direkte Anschauung und unmittelbare Umsetzung charakterisieren die Landschaftsbilder, die in Abwendung von impressionistischen Bildkonzepten durch kräftige, leuchtende Farben, dicke Konturlinien und große Flächen bestechen.

Bei der „Brücke“ sowie beim „Blauen Reiter“ lösen sich die Porträts von der Verpflichtung einer naturalistischen Wiedergabe der dargestellten Personen. Die Darstellungen betonen eher die subjektive Erscheinung der Porträtierten und setzen dies mit symbolhaften Farben und Formen in Szene.

Zum Inbegriff des freien Lebens und der von tradierten Regeln befreiten Kunst des Expressionismus ist der Akt geworden. Betteten die „Brücke“-Künstler ihre Aktdarstellungen zunächst in den Innenraum ein, entstanden in der Folge vermehrt Aktbilder im Freien. In der Natur gestalteten die Künstler ein ungezwungenes, freizügiges und unbeobachtetes Bild des unbekleideten – meist weiblichen – Körpers.

In den Stillleben der „Brücke“-Gemeinschaft spiegelt sich die Auseinandersetzung mit exotischen Motiven wider. Emil Nolde nahm 1913 an einer Expedition nach Neu-Guinea teil, Max Pechstein reiste 1914 zu den Palau-Inseln. Die Künstler:innen um den „Blauen Reiter“, allen voran Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, beschäftigten sich insbesondere mit der Volkskunst und dem Kunsthandwerk. Münter bettet in ihr Stillleben Objekte aus der eigenen Sammlung ein.

„Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergiebt, was ihn zum Schaffen drängt“, formulierte Ernst Ludwig Kirchner im Jahr 1906. Der Holzschnitt zeigt das Programm der Künstlergruppe „Brücke“, in dem gemeinsame Ziele formuliert werden. Das Manifest wird durch seine Form selbst zum Kunstwerk.

„Den ‘Blauen Reiter’ erfanden wir am Kaffeetisch, in der Gartenlaube in Sindelsdorf; beide liebten wir Blau. Franz Marc die Pferde, ich die Reiter. So kam der Name von selbst. Und der märchenhafte Kaffee von Frau Maria Marc mundete uns noch besser.“ So beschrieb Kandinsky rückblickend die Namensgebung der Programmschrift. Der gemeinsam herausgegebene so genannte Almanach erschien im Mai 1912. Dem Titelblatt waren insgesamt elf Entwürfe vorausgegangen.

Erich Heckel hielt 1910 seinen schlafenden Kollegen Max Pechstein in Dangast an der Nordsee fest. Die dominierende Farbe Rot sorgt allerdings kaum für ein Gefühl von Ruhe und Kontemplation, sondern erzeugt ein fast aggressiv wirkendes Bildgefühl. Die Haltung Pechsteins hingegen wirkt lässig und entspannt.

Hinter einem Tisch vor einer dunklen Wand sitzend, stellt Gabriele Münter ihren Lebensgefährten Wassily Kandinsky dar. Das Porträt ist in ihrem Murnauer Haus entstanden, die zwei Bilder im Hintergrund sowie die Objekte auf dem Tisch stammen aus der eigenen Sammlung. Kandinsky wird hier weder als Maler noch als Denker charakterisiert, wohl aber als direktes Gegenüber, als Gesprächspartner.

Die Frauen rund um die „Brücke“-Gemeinschaft waren mehr als Musen und Modelle. Erna Schilling, Kirchners Partnerin seit seiner Zeit in Berlin, übernahm eine wichtige Rolle als Vermittlerin nach außen. Während Kirchners Aufenthalt im Sanatorium nach seinem Kriegseinsatz verwaltete sie sein Atelier in Berlin-Friedenau, verkaufte Werke und organisierte Ausstellungen. Sie druckte und signierte sogar seine Grafiken.

Gabriele Münter, die sich bereits ab 1910 der Abstraktion zuwandte und zunehmend auch im Ausland Anerkennung erfuhr, war in sämtliche Aktivitäten des „Blauen Reiters“ involviert. Für den Almanach, in dem sie als einzige Künstlerin mit zwei Abbildungen präsent war, wählte sie Bilder sowie Autoren mit aus und nahm aktiven Anteil an der redaktionellen Arbeit. Dennoch wurde sie im Impressum nicht erwähnt.

In der Kulisse eines Ateliers malte Kirchner seine Lebensgefährtin Doris Große, genannt Dodo, und seinen Kollegen Erich Heckel. Kirchner traf die damals 19-jährige Dodo wohl schon um 1903 in Dresden, und sie blieb bis zur seiner Umsiedlung nach Berlin 1911 an seiner Seite. Das dargestellte Atelier ist Heckels Atelier. Im Hintergrund erkennt man Heckels Gemälde „Römische Modelle“, auf dem Tisch platzierte Kirchner seine eigene Plastik „Stehendes Mädchen, Karyatide“.

Die „Blaue Reiterreiterin“ nannte Else Lasker-Schüler Marianne von Werefkin und spielte damit auf ihre führende Rolle innerhalb der Gruppe an. Der Museumsdirektor Gustav Pauli schrieb über sie, sie sei "das Zentrum, gewissermaßen die Sendestelle der fast physisch spürbaren Kräftewellen" innerhalb des Künstlerkreises gewesen. Ihre Bedeutung für den „Blauen Reiter“ wird heute immer noch unterschätzt – auch wenn Zeitgenoss:innen dies schon klar formulierten.

Neben Werefkin und Münter zählt auch Maria Marc zum Umfeld des „Blauen Reiters“. Alle drei blieben – wie so viele Künstlerinnen – trotz ihres schöpferischen Engagements stets im Schatten der männlichen Kollegen und Ehemänner. Maria Marc absolvierte – wie auch Werefkin und Münter – eine professionelle Ausbildung zur Malerin, zunächst an der Berliner Königlichen Kunstschule, dann an der Damen-Akademie in München. Bei der zweiten Ausstellung des „Blauen Reiters“ stellte Maria Marc drei Werke aus, jeweils Kinderbilder mit Spielzeug.

Gerda war die Schwester von Kirchners langjähriger Gefährtin Erna Schilling, beide standen Kirchner häufig Modell und prägten, beispielsweise mit dem markanten Kurzhaarschnitt, einen neuen Frauentypus, den Kirchner auch für seine Straßenbilder einsetzte.

Die Rolle von Elisabeth Macke wird heute als die der „Managerin“ verstanden. Sie war nicht nur Mackes Partnerin und Seelengefährtin, sondern setzte sich zeit ihres Lebens für seine Kunst ein. Sie führte Buch über alle Werke, die verkauft oder verschenkt wurden. Nach Mackes Tod bemühte sie sich weiterhin um Verkäufe seiner Werke.

„Mit Impressionismus haben diese Bilder sehr sehr wenig zu thun, mit dem modernen Leben und der Großstadt sehr viel, sie sind äußerlich häßlich, vor allem Kirchner und Heckel. Aber voll tiefem Sinn und Realismus, so empfinde ich sie. […] Mit impressionistischem Epigonentum haben wir nichts zu thun,- die Brücke aber auch nicht.“

Marc in einem Brief an Kandinsky, 4.2.1912

„Ich halte es für einen wirklichen Glücksfall, endlich einmal Kollegen von so innerlicher, künstlerischer Gesinnung getroffen zu haben, - rarissime! Wie würde es mich freuen, wenn es uns einmal gelingen sollte, Bild an Bild nebeneinanderzustellen.“

Marc in einem Brief an Macke, nach dem 21.1.1910

„Von 24 Fotos sind 9+1/2 Akte mit oder ohne Schamhaare, 5 Badende und 2 Circusbilder. […] Sie [Marc] machen oft Tiere, Macke – Indianer, Boote, Arp – Riesenköpfe, Delaunay – Städte […]. Ich will dadurch in keinem Fall die Berliner runtermachen, nur stelle ich über diese Zusammenstellung und über auch meinen großen Respekt vor Talent und Arbeitskraft doch vorläufig ein ?.“

Kandinsky in einem Brief an Marc, 14.1.1912

„Die Münter hat mir sehr gut getan. Ich denke mir ja Kandinsky so sehr als den geistigen Anreger auch ihrer Malerei, dass ich mit ihrer Ansicht, dass sie ganz persönlich arbeitet, genau so wenig ganz übereinstimme, als ich mich ohne stark französischen Einfluss denken kann […] Ich habe sie sehr, sehr gern, Aber lieber habe ich Kandinsky doch.“

Macke in einem Brief an Marc, 1.9.1911

„Klee umgeht die Schwierigkeiten. Marc ist überhaupt indiskutabel. Kitsch à la Kandinsky.“

Kirchner, Davoser Tagebuch, 17.1.1923

Der Maler Adolf Erbslöh, der 1909 auch entscheidend an der Gründung der Neuen Künstlervereinigung München beteiligt war, stellt eine Vermittlerposition zwischen München und dem Wupper-Tal, besonders zu Richart Reiche, dar. Er sorgte dafür, dass die Kunst des Expressionismus (besonders die Münchner Vertreter:innen) in Wuppertal ausgesprochen früh beachtet und auch gesammelt wurde. Erbslöh selbst war in Barmen aufgewachsen.

Die Kunsthistorikerin und Sammlerin Rosa Schapire (1874–1954) war eine wichtige Förderin der „Brücke“. 1907 wurde sie passives Mitglied, sie vermittelte Kontakte zu Sammler:innen, verschaffte den Künstlern Ausstellungen und Stipendien. Besonders setzte sie sich für Karl Schmidt-Rottluff ein. Er malte sie mehrfach, fertigte sogar Schmuck und Wohnzimmermöbel für sie an. Weitere Sammlerinnen und Mäzeninnen der „Brücke“ sind unter anderem Hanna Bekker vom Rath und Nele van de Velde.

Der Industrielle und Kunstmäzen Bernhard Koehler (1849–1927) war ein bedeutender Unterstützer der Künstler des „Blauen Reiters“. Besonders Franz Marc erfuhr durch Koehler entscheidende Hilfestellungen. Auch die erste und einzige Ausgabe des Almanachs unterstützte er finanziell. Für die erste Ausstellung des "Blauen Reiters" stellte er zudem Werke von Marc aus seiner Sammlung zur Verfügung.

1910 wurden unter anderem Pechsteins Bilder von der Berliner Secession abgelehnt. Dies hatte die Gründung der Neuen Secession unter Pechsteins Leitung zur Folge, der aus Solidarität auch die übrigen „Brücke“-Mitglieder beitraten. Im Mai 1910 fand im Kunstsalon „Macht“ die Protestausstellung Zurückgewiesener der Secession Berlin statt.

Auch der Galerist und Sammler Heinrich Thannhauser (1859–1934) förderte die Expressionist:innen in Deutschland. In seiner Galerie fand die erste Ausstellung des „Blauen Reiters“ statt.

Ende 1911 siedelte die „Brücke“ nach Berlin über. Dort erhofften sie sich besseren Kontakt zu Sammler:innen und Händler:innen sowie ein aufgeschlossenes Publikum. Sie nahmen Kontakt zu den Verlegern Herwarth Walden und Franz Pfemfert auf und veröffentlichten ihre Arbeiten in deren Zeitschriften „Der Sturm“ und „Die Aktion“.

Im März 1912 eröffnete Walden die Sturm-Galerie in einer Abrissvilla in der Berliner Tiergartenstraße. Die erste Ausstellung war eine Wanderausstellung des „Blauen Reiters“. Am 20. September 1913 eröffnete Walden den „Ersten Deutschen Herbstsalon“ in Anlehnung an den Pariser „Salon d’Automne“. Die Ausstellung war eine Gegenveranstaltung zur Ausstellung des Sonderbunds. Es wurden unter anderem Werke des „Blauen Reiters“ gezeigt.

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